Linksherzkatheter untersuchung
Linksherzkatheter, intracoronare Druckdrahtmessung (FFR), intrakoronarer Ultraschall (IVUS), PTCA und Stendimplantation, Rotablation und intravaskuläre Lithotripsie (IVL)
Moderne Diagnostik und Therapie bei koronarer Herzkrankheit (KHK)
Bei Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) oder bei einem akuten Herzinfarkt untersuchen und behandeln wir Ihre Herzgefäße in einem unserer beiden modernen Herzkatheterlabore.
Ihre Herzkranzgefäße werden zunächst diagnostisch untersucht. Der Befund wird anschließend mit Ihnen besprochen.
Falls erforderlich, kann die Behandlung meist unmittelbar erfolgen.
Verhaltensempfehlungen nach den Untersuchungen:
- Diagnostische Untersuchung: Entlassung in der Regel nach 4–6 Stunden.
- Untersuchung über das Handgelenk: 5 Tage Schonung des Handgelenks, keine schweren Lasten heben.
- Untersuchung über die Leiste: 5 Tage körperliche Schonung, keine schweren Lasten heben, starke Beugungen im Beckenbereich vermeiden, körperliche Anstrengungen wie Treppensteigen, bzw. Saunagänge oder Vollbäder vermeiden.
- Komplexe Behandlung an den Herzkranzgefäßen (siehe Therapeutische Untersuchungen): Rechnen Sie bitte mit einem stationären Aufenthalt von einer Nacht. Während dieser Zeit überwachen und betreuen wir Sie kompetent auf unserer kardiologischen Station.
Linksherzkatheter
Die Herzkatheteruntersuchung ist ein zentrales Verfahren zur Diagnostik von Herzkranzgefäßverengungen, Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen und Druckverhältnissen in den Herzkammern und in der Aorta.
Symptome wie Brustschmerzen, Luftnot bei Belastung, Auffälligkeiten bei EKG oder Ultraschalluntersuchungen können eine Indikation darstellen.
Die Koronarangiographie macht mithilfe von Kontrastmittel Engstellen sichtbar. Auch Bypässe nach einer Bypassoperation können kontrolliert werden. Zusätzlich kann beim Linksherzkatheter eine Ventrikulographie zur Beurteilung der Pumpkraft des Herzens erfolgen.
Ablauf einer Herzkatheter-Untersuchung
Vor der Herzkatheteruntersuchung erhalten Sie einen intravenösen Zugang (Infusionsnadel). Die vorgesehene Punktionsstelle - meist Leiste oder Handgelenk - wird vorbereitet, rasiert und sorgfältig desinfiziert.
Anschließend erfolgt eine örtliche Betäubung. Lediglich die Punktion der Arterie kann kurz unangenehm sein, die eigentliche Herzkatheteruntersuchung ist in der Regel schmerzfrei.
Nach der Punktion wird ein feiner Draht eingeführt, über den eine sogenannte Schleuse gelegt wird. Diese ermöglicht den sicheren und schmerzfreien Wechsel der verschiedenen Katheter und dem Abdichten der Punktionsstelle. Mithilfe verschiedener Katheter werden die Herzkranzgefäße (Koronararterien) unter Kontrastmittelgabe und Röntgendurchleuchtung in mehreren Ebenen dargestellt.
Die rein diagnostische Koronarangiographie dauert meist etwa 20 Minuten.
Je nach Befund kann die Untersuchung beendet oder direkt eine therapeutische Intervention (siehe PTCA) angeschlossen werden.
Nach Abschluss der Untersuchung werden Katheter und Drähte entfernt. Häufig wird ein modernes Verschlusssystem eingesetzt, sodass die Liegezeit auf etwa 4–6 Stunden verkürzt werden kann und ein Druckverband oft nicht notwendig ist.
FFR/Fraktionelle Flussreserve
Die FFR-Messung (Fraktionelle Flussreserve) ist ein modernes Verfahren zur Beurteilung von Gefäßverengungen der Herzkranzgefäße. Dabei wird der Druck innerhalb des Gefäßes gemessen, um objektiv festzustellen, ob eine Engstelle behandlungsbedürftig ist.
Hierfür wird ein sehr dünner Spezialdraht mit integriertem Drucksensor über einen Katheter bis hinter die Verengung vorgeschoben. Die Untersuchung ist schmerzfrei und für den Patienten nicht spürbar.
Unter medikamentöser Unterstützung wird der Blutdruck vor und hinter der Engstelle verglichen. Liegt der gemessene Wert unterhalb eines definierten Grenzwertes, besteht eine klare Indikation zur therapeutischen Intervention.
IVUS/Intravaskulärer Ultraschall
Der IVUS (Intravaskuläre Ultraschall) ist ein bildgebendes Verfahren, das während einer Linksherzkatheteruntersuchung eingesetzt wird. Dabei wird ein winziger Ultraschallkopf über einen Katheter direkt in das Herzkranzgefäß eingeführt.
Mit dieser Methode können die Gefäßwände von innen dargestellt werden - viel genauer als mit herkömmlichen Röntgenaufnahmen (Angiographie). So lassen sich Verengungen (Stenosen), Ablagerungen oder Gefäßverkalkungen besser beurteilen.
Vorteil für Sie als Patient: Der IVUS ermöglicht eine noch gezieltere und sicherere Behandlung Ihrer Herzkranzgefäße.
PTCA/Perkutane transluminale Koronarangioplastie mit Stentimplantation
Die PTCA (Ballondilatation der Herzkranzgefäße) ist ein bewährtes Verfahren zur Behandlung von Gefäßverengungen (Stenosen) bei koronarer Herzkrankheit (KHK).
Nach dem gezielten Einführen eines Führungskatheters in die betroffene Koronararterie wird ein sehr dünner, flexibler Draht über die Engstelle vorgeschoben. Dieser dient als Führungsschiene. Anschließend wird ein Ballonkatheter unter Röntgenkontrolle exakt im Bereich der Verengung positioniert.
Der Ballon wird mit Druck entfaltet, sodass die Engstelle erweitert wird. Um das Gefäß dauerhaft offen zu halten, wird in den meisten Fällen zusätzlich ein Stent (Gefäßstütze) implantiert. Der zusammengefaltete Stent befindet sich auf einem Ballonkatheter, wird an der Engstelle platziert und durch erneutes Aufdehnen entfaltet. Dabei pressen sich die Stentmaschen stabil in die Gefäßwand und sichern langfristig die Durchblutung des Herzmuskels.
Nach Abschluss der Koronarintervention wird das Ergebnis mittels Kontrastmittel kontrolliert und dokumentiert. Häufig kann ein modernes Gefäßverschlusssystem eingesetzt werden, wodurch sich die Liegezeit auf etwa 4–6 Stunden reduziert und ein Druckverband meist nicht erforderlich ist.
Ziel der PTCA mit Stentimplantation:
Dauerhafte Verbesserung der Durchblutung und rasche Linderung von Beschwerden wie Brustschmerzen (Angina pectoris)
Rotablation
Die Rotablation kommt bei stark verkalkten Herzkranzgefäßen zum Einsatz, wenn eine Erweiterung mit herkömmlichen Ballonkathetern nicht ausreichend möglich ist.
Hierbei wird ein spezieller Rotablator verwendet – ein diamantbeschichteter Mini-Bohrkopf, der über einen Führungsdraht zur Engstelle vorgeschoben wird. Mit einer Rotationsgeschwindigkeit von etwa 180.000–200.000 Umdrehungen pro Minute trägt er die harten Kalkablagerungen kontrolliert ab. Die entstehenden Partikel sind mikroskopisch klein und werden problemlos über den Blutkreislauf abtransportiert.
Im Anschluss erfolgt in der Regel eine Stentimplantation, um das Gefäß dauerhaft offen zu halten.
Vorteil: Effektive Behandlung komplexer, stark verkalkter Koronarstenosen.
IVL/Intravaskuläre Lithotripsie
Die IVL (intravaskuläre Lithotripsie) ist ein modernes Verfahren, das bei verkalkten Engstellen in den Herzkranzgefäßen angewendet wird - insbesondere dann, wenn die Verkalkungen so hart sind, dass herkömmliche Ballonaufdehnungen oder Stents nicht ausreichen.
Bei der IVL wird ein spezieller Ballonkatheter in das betroffene Gefäß eingebracht. Dort gibt er kurze, kontrollierte Druckimpulse (Stoßwellen) ab – ähnlich wie bei der Nierensteinzertrümmerung. Diese Impulse zerbrechen die harten Kalkablagerungen in der Gefäßwand, ohne das umliegende Gewebe zu verletzen.
Vorteil für Sie als Patient: Die IVL ermöglicht eine schonende Erweiterung stark verkalkter Gefäße - für eine sichere und nachhaltige Wiederherstellung des Blutflusses im Herzen.
Ist es durch die Lokalisation, Art oder Anzahl der Stenosen nicht möglich, durch Stents eine Verbesserung der Durchblutung in den Herzkranzgefäßen zu erreichen, so ist möglicherweise eine Bypassoperation notwendig.
Auch hochgradig verengte Herzklappen können eine Indikation für eine Herzklappenoperation sein.
Für diese Herzoperationen kooperieren wir eng mit den Herzzentren in Lahr, Tübingen, Karlsruhe und Bad Krozingen, organisieren den weiteren Ablauf und ebenso eine angenehme und zügige Verlegung für Sie.
Das externe Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung der Herzkatheteruntersuchungen und PTCA/Stentimplantationen erfolgt jährlich durch zwei externe, unabhängige Institute:
• Medizinischer Dienst der Krankenkassen (MDK); Lahr
• Gesellschaft für Qualität im Krankenhaus (GeQiK); Stuttgart
Im Rahmen unseres internen Qualitätsmanagements werden Herzkatheteruntersuchungen und Koronarinterventionen regelmäßig analysiert und dokumentiert, um höchste Sicherheits- und Behandlungsstandards für unsere Patientinnen und Patienten sicherzustellen.