PFO-Verschluss
Schirmchenimplantation bei Vorhofseptumdefekt und offenem Foramen ovale
Eine häufige Ursache für einen Schlaganfall ist neben Vorhofflimmern und Ablagerungen in den Halsschlagadern das offene Forame ovale.
Das Foramen ovale ist eine angeborene Verbindung zwischen dem rechten und dem linken Vorhof des Herzens. Diese Struktur spielt eine wichtige Rolle im fetalen Kreislauf, also während der Entwicklung eines ungeborenen Kindes.
Während der Schwangerschaft sind die Lungen des Embryos noch nicht entfaltet und nicht funktionsfähig. Der Sauerstoff gelangt daher nicht über die Lunge in den Körper, sondern über die Nabelschnur von der Mutter zum Kind.
Funktion des Foramen ovale im Fetalkreislauf
Das sauerstoffreiche Blut fließt im fetalen Kreislauf vom rechten Vorhof durch das Foramen ovale in den linken Vorhof. Von dort gelangt es weiter in die linke Herzkammer und anschließend in den Körperkreislauf.
Durch diesen Mechanismus wird der noch nicht funktionierende Lungenkreislauf umgangen, sodass das sauerstoffreiche Blut direkt den Körper des Embryos versorgen kann.
Schließt sich das Foramen ovale nach der Geburt?
Das Foramen ovale ist kein echtes Loch in der Herzscheidewand, sondern eher ein schlitzförmiger Spalt zwischen zwei Membranen.
Nach der Geburt entfalten sich die Lungen und der Blutdruck im linken Vorhof steigt an. Dadurch pressen sich die Membranen normalerweise gegeneinander und verwachsen bei den meisten Menschen innerhalb kurzer Zeit dauerhaft.
Persistierendes Foramen ovale (PFO)
Bei einem kleinen Teil der Bevölkerung bleibt das Foramen ovale jedoch auch nach der Geburt teilweise offen. In diesem Fall spricht man von einem persistierenden Foramen ovale (PFO).
Unter bestimmten Bedingungen – zum Beispiel beim starken Husten, Pressen oder beim Heben schwerer Gegenstände – kann der Druck im rechten Vorhof kurzzeitig höher sein als im linken Vorhof.
Dann kann sich das funktionell verschlossene Foramen ovale vorübergehend öffnen, sodass Blut vom rechten in den linken Vorhof gelangt und dabei den Lungenkreislauf umgeht.
Zusammenhang zwischen PFO und Schlaganfall
In den meisten Fällen verursacht ein persistierendes Foramen ovale keine Beschwerden und hat keinen Krankheitswert.
Problematisch kann es jedoch werden, wenn Blutgerinnsel aus dem venösen Kreislauf zum Herzen gelangen. Öffnet sich in diesem Moment das PFO, kann das Gerinnsel in den arteriellen Kreislauf gelangen, statt wie normalerweise in die Lunge.
Gelangen solche Gerinnsel ins Gehirn, können sie dort ein Blutgefäß verschließen und einen Schlaganfall auslösen.
Die Diagnose eines persistierenden Foramen ovale (PFO) wird in der Regel mithilfe einer transösophagealen Echokardiographie, auch Schluckecho genannt, gestellt.
Bei dieser speziellen Ultraschalluntersuchung wird eine dünne Echokardiographie-Sonde über die Speiseröhre eingeführt. Da die Speiseröhre direkt hinter dem Herzen verläuft, können die Herzstrukturen besonders genau dargestellt werden. Auf diese Weise lassen sich auch kleine Verbindungen zwischen dem rechten und dem linken Vorhof zuverlässig erkennen.
Nachweis eines PFO mit Kontrastmittel
Um festzustellen, ob tatsächlich ein Blutfluss vom rechten in den linken Vorhof besteht, wird während der Untersuchung ein spezielles Echokontrastmittel über eine Vene verabreicht.
Anhand des Ultraschallbildes kann anschließend beobachtet werden, ob das Kontrastmittel aus dem rechten Vorhof in den linken Vorhof übertritt. Ein solcher Übertritt weist auf das Vorliegen eines persistierenden Foramen ovale hin.
Wann wird ein PFO verschlossen?
Wurde ein PFO nachgewiesen, erfolgt im nächsten Schritt eine sorgfältige medizinische Bewertung. Dabei wird geprüft, ob ein interventioneller Verschluss des persistierenden Foramen ovale sinnvoll ist.
Vor einem solchen Eingriff müssen mögliche Kontraindikationen, wie beispielsweise Störungen der Blutgerinnung, ausgeschlossen werden. Wenn keine Gegenanzeigen vorliegen und eine medizinische Indikation besteht – etwa nach einem ungeklärten Schlaganfall – kann ein kathetergestützter PFO-Verschluss durchgeführt werden.
Der Verschluss eines persistierenden Foramen ovale (PFO) erfolgt in einem Herzkatheterlabor unter Röntgendurchleuchtung und gleichzeitig unter echokardiographischer Kontrolle über die Speiseröhre (transösophageale Echokardiographie, TEE).
Ablauf des Eingriffs
Für den Verschluss wird das PFO mit einem sogenannten „Schirmchen“ oder Occluder verschlossen. Dieses Implantat besteht aus zwei elastischen Scheiben, die über einen zentralen Steg miteinander verbunden sind.
Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv:
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Punktion der Vene in der rechten Leiste – über diesen Zugang wird ein Katheter in den rechten Vorhof vorgeschoben.
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Darstellung des Foramen ovale mit Kontrastmittel unter Röntgen- und Schluckultraschallkontrolle.
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Platzierung des Schirmchens im Bereich des PFO, sodass der Vorhofspalt zuverlässig verschlossen wird.
In der Regel dauert der gesamte Eingriff weniger als eine Stunde.
Heilungsprozess nach dem Verschluss
Nach dem Eingriff wird das Schirmchen in den folgenden Tagen und Wochen von körpereigenem Bindegewebe überzogen. Dadurch wächst es dauerhaft in das Vorhofseptum ein und verschließt das PFO zuverlässig.
Nach dem Eingriff erfolgt in der Regel ein stationärer Aufenthalt von einer Nacht auf unserer kardiologischen Normalstation.
Nach der Entlassung erhalten Patienten in der Regel für drei Monate eine Kombination aus ASS (Acetylsalicylsäure) und Clopidogrel. Diese Medikamente sorgen dafür, dass das Schirmchen gut einheilt und sich keine Blutgerinnsel (Thromben) bilden.
Nach Ablauf der drei Monate erfolgt eine ambulante Schluckultraschall-Untersuchung (transösophageale Echokardiographie, TEE), um die Funktion des Occluders zu überprüfen.
In der Regel reicht anschließend die weitere Einnahme von ASS allein aus, und weitere Verlaufskontrollen sind nicht erforderlich, sofern keine besonderen Risikofaktoren vorliegen.