Herzbehandlung ist keine Frage des Alters
Freudenstadt. Zum Glück bietet die Halle des Campus Schwarzwald viel Platz. Über 100 Teilnehmende aus der Region Freudenstadt und den umliegenden Landkreisen waren zum 13. Kardiologie-Symposium des Klinikums Landkreis Freudenstadt gekommen. Drei Experten gaben bei der traditionsreichen Veranstaltung fachliche Impulse rund um das Thema Herzerkrankungen bei älteren Menschen.
Ein Höhepunkt des Abends war der Vortrag von Prof. Dr. med. Fabian Knebel, Chefarzt der Kardiologie am Sana Klinikum Lichtenberg, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Er sprach über die „Fantastischen 4“ bei älteren Patienten. In der Kardiologie ist damit jedoch nicht der Krankenbettbesuch einer Stuttgarter Hip-Hop-Gruppe gemeint, sondern eine Medikamentenkombination, die bei Herzschwäche verabreicht wird. Regelmäßig stellt sich Medizinern hier die Frage: Ist eine Therapie, die in der Forschung vorwiegend an Patienten um die 60 getestet wurde, auch für 80-jährige Patienten sinnvoll?
Erhalt der Lebensqualität als Behandlungsziel
Das war das große Überthema des 13. Kardiologie-Symposiums, zu dem die Kardiologische Klinik am Klinikum Landkreis Freudenstadt eingeladen hatte. „Das Durchschnittsalter der Herzpatienten bei uns in Freudenstadt liegt bei 80 Jahren“, erklärt Prof. Dr. Florian Bea. „Die Rahmenbedingungen einer Herzerkrankung und die Therapieziele sind hier andere als bei Patienten, die erst 60 sind.“ Bei jüngeren Herzpatienten steht die Lebensverlängerung im Fokus der Therapie. Bei älteren Patienten hingegen der Erhalt der Lebensqualität. Sprich: Können Menschen ihren Alltag weiterhin selbstständig und selbstbestimmt meistern, auch wenn das Herz schwächelt?
Dabei stellt sich Ärzten und Pflegekräften auch immer die Frage: Wie belastend darf eine Herzbehandlung für ältere Menschen sein? Was ist, wenn eine medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreicht und operative Maßnahmen wie das Einsetzen von Stents notwendig werden? Zu diesem Thema gab Kardiologe Dr. med. Rudolf Reisinger, Oberarzt am Klinikum Landkreis Freudenstadt, in seinem Beitrag „Invasive Therapiestrategie bei älteren Patienten mit chronischem Koronarsyndrom“ eine klare Antwort: Es gibt kein „zu alt“. Gerade in der Therapie von älteren Menschen kann ein Stent entscheiden, ob die Lebensqualität wiederhergestellt oder die Abwärtsspirale der langsamen, stetigen Verschlechterung gestartet wird.
Die Wirkungsmöglichkeiten invasiver Eingriffe unterstrich auch Dr. Birte von Meißner, Oberärztin am Klinikum Landkreis Freudenstadt in ihrem Vortrag über die „Elektrophysiologische Strategie bei Vorhofflimmern im höheren Alter“. Gemeint ist damit eine Untersuchung mittels Herzkatheter, die bei Vorhofflimmern zum Einsatz kommt. „Vorhofflimmern kann Schlaganfälle verursachen“, erklärt Prof. Dr. Florian Bea. Letztere sind vor allem bei älteren Patienten fatal. Viele erholen sich nicht mehr von einem Schlaganfall und werden zum Pflegefall. Das frühzeitige Erkennen und Behandeln der Gefahr kann hier den existenziellen Unterschied machen.
Besonders wertvoll: Austausch zwischen den Berufsgruppen
Von den anwesenden Ärzten und Pflegekräften wurden die Vorträge mit großem Interesse aufgenommen, wie die zahlreichen positiven Rückmeldungen zeigten. Viele sahen sich in Einschätzungen bestätigt und nahmen gerne Rückhalt und neue Impulse von Experten mit. „Der fachliche Austausch, auch nach den Vorträgen ist einfach wertvoll“, meint Prof. Dr. Florian Bea. Was den Chefarzt besonders freut: „Es war toll, dass alle Berufsgruppen da waren – Ärzte und Pflegekräfte.“ Dieses Zusammenspiel der Disziplinen ist in der Herztherapie immens wichtig, vor allem bei älteren Patienten. Denn hier kommen neben der Herzinsuffizienz oft noch weitere belastende Erkrankungen wie Demenz hinzu. Am Klinikum Freudenstadt findet in der Akut-Geriatrie deshalb ein engmaschiger Dialog aller Fachkräfte statt, um die Behandlung jedes Patienten bestmöglich zu gestalten. Chefarzt Prof. Dr. Florian Bea ist dabei auch froh über die ausgezeichnete Ausstattung der Kardiologischen Klinik in Freudenstadt: „Wir sind technisch und personell top besetzt; das bietet uns große Möglichkeiten für die Behandlung der Patienten.“