„Babyfreundliche Geburtsklinik“ zieht zur Welt-Stillwoche positive Bilanz
Freudenstadt. Jedes Jahr in der 40. Kalenderwoche ruft das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) die Welt-Stillwoche aus. Am Klinikum Freudenstadt hat die Aktionswoche in diesem Jahr einen besonderen Stellenwert. Denn zu Beginn des Jahres wurde das Klinikum mit dem WHO-/UNICEF-Zertifikat „Babyfreundliche Geburtsklinik“ ausgezeichnet. In diesem Konzept nimmt das Stillen einen besonderen Stellenwert ein – und die positiven Auswirkungen der Zertifizierung sind inzwischen spürbar.
„Unser Ziel ist es, Mutter und Kind glücklich und stillend nach Hause zu entlassen“, erklären Anna Labocha und Nicole Völkle. Labocha ist Hebamme, Völkle Kinderkrankenschwester und beide sind Stillberaterinnen an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Freudenstadt. Stillen, so erklären sie, ist kein selbstlaufender Prozess, der immer gleich funktioniert. Stillen ist vor allem mehr als nur Nahrungsaufnahme. Es ist Teil eines engen Beziehungsgeflechtes, das passende Rahmenbedingungen braucht, um optimal zu gedeihen. Hier setzt auch das Konzept des babyfreundlichen Geburtsklinik an.
Babyfreundliche Strukturen haben positive Veränderungen gebracht
„Bonding“, also die Entwicklung einer starken emotionalen Beziehung zwischen Kind und Eltern, steht hier im Mittelpunkt. Dass Mutter und Kind ab der Geburt sofort und immer zusammen sind, gehört dazu. Ebenso der intensive Körperkontakt, über den sich die Vertrautheit einstellt, um Signale des Neugeborenen richtig zu lesen und ein gegenseitiges Gefühl füreinander zu bekommen. Und natürlich das Stillen. Im Prozess der WHO-/UNICEF-Zertifizierung steht dieses Kriterium an oberster Stelle. In Freudenstadt hatte man schon vor zehn Jahren angefangen, entsprechende Strukturen einzuführen. „Aber durch den Zertifizierungsprozess hat sich noch einmal viel zum Positiven verändert“, erklären Anna Labocha und Nicole Völkle. Innerhalb des Klinikums wurden alle geburtsbezogenen Abläufe so angepasst, dass Bonding, also der direkte, enge Körperkontakt, ab Geburt immer möglich ist. „Wenn es mit der Mutter nicht geht, zum Beispiel aufgrund einer OP, dann mit dem Vater“, erklären die Stillberaterinnen. Die Teams am Klinikum Freudenstadt arbeiten hier abteilungsübergreifend zusammen, um Behandlungen so babyfreundlich wie möglich zu machen. Dafür gibt es auch regelmäßige Mitarbeiterschulungen. Und es zeigt sich: Die Maßnahmen greifen.
Selbstbestimmtheit der Mütter ist wichtig
„Wir bekommen viele Rückmeldungen von Müttern, die schon früher bei uns ein Kind bekommen haben und sagen, wie positiv sie die Veränderungen wahrnehmen“, erklären Völkle und Labocha. Früher wurden Neugeborene zum Beispiel für Untersuchungen vom Pflegepersonal abgeholt und mitgenommen. Heute ist die Mutter immer dabei. Mehr Zeit und Beratung stehen Müttern heute zur Verfügung. Zeit, um mit dem Kind zusammenzufinden und Beratung, wenn es mit dem Stillen nicht klappen möchte. „Die meisten Mütter wollen stillen“, wissen die Stillberaterinnen. „Es ist die gesündeste und nachhaltigste Ernährungsform von Kindern.“ Missionarisch möchte das Team der Geburtsklinik aber nicht auftreten. Die Frauen sollen selbst bestimmen können, was für sie das Richtige ist.
Dieses Credo greift auch das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf. „Du entscheidest. Nicht die Werbung,“ lautet das Thema der diesjährigen Weltstillwoche. Zur Entscheidungsfähigkeit gehört auch Aufklärung. Am Klinikum Landkreis Freudenstadt wird diese in der Hebammensprechstunde vor der Geburt geleistet. Hier geben die Hebammen Einblicke in die Geburtsprozesse und beraten auch schon intensiv über das Thema Stillen.
Die meisten werden glücklich und stillend entlassen
Durchschnittlich drei Tage sind Mutter und Kind nach der Geburt in den versorgenden Händen des Teams der Geburtsklinik. Dann geht es heim. Beruhigend ist es für die Stillberaterinnen, wenn sie Mutter und Kind dann in den betreuenden Händen einer Hebamme wissen. In Freudenstadt sei die Versorgung mit niedergelassenen Hebammen vergleichsweise gut, meinen die Expertinnen. Auch Angebote wie das Stillcafé bieten Müttern Anlaufstellen, um sich mit Fachleuten und anderen Betroffenen auszutauschen. Die Strukturen der babyfreundlichen Geburtsklinik greifen am Klinikum Landkreis Freudenstadt und in den meisten Fällen gelingt es, was sich die Stillberaterinnen für alle wünschen: Mutter und Kind glücklich und stillend entlassen.